Von Mehl und Mittagsschlaf
Wenn der 25-jährige Robin Hagenkötter morgens anfängt zu arbeiten gehen viele seiner Altersgenossen gerade erst ins Bett. Spätestens um drei Uhr morgens beginnt der Arbeitstag in der Bäckerei. Mitleid für das frühe Aufstehen wird er von seiner Familie dafür allerdings nicht erwarten können, denn schließlich ist Robin der jüngste Spross einer Bäckerfamilie die bereits seit vier Generationen das heiße Handwerk betreibt. ?Ich wollte eigentlich schon immer die Bäckerei übernehmen ? abgesehen davon hätte mein Vater wohl wenig Verständnis für einen anderen Berufswunsch aufgebracht?, schmunzelt der kräftige 1,90 Mann. Derzeit ist seine Anwesenheit in der Backstube jedoch eher die Ausnahme als die Regel, denn Robin hat nach seiner im Münsterland absolvierten Bäckerausbildung ein BWL-Studium aufgenommen, in dass er einen Großteil seiner Energie steckt. Sein Vater das ist Karl Wilhelm Hagenkötter, Jahrgang 1951, und nach wie vor mit vollem Einsatz in der Backstube aktiv. Er war es auch der wesentliche Neuerungen im Betrieb der Hagenkötters angestoßen hatte. So war die jüngste Erweiterung auf nunmehr drei Filialen seine Idee. Neben der Stammfiliale in der Herdecker Fußgängerzone, die seit 1978 zum festen Stadtbild gehört, wurden im Jahre 1999 in Herdecke-Ende und in Witten-Bommern weitere Filialen eröffnet, die sich bald ebenfalls einer großen Stammkundschaft erfreuten.
Im eigentlichen Backbetrieb hat sich indes wenig verändert, denn trotz steigender Mengen ist Qualität nach wie vor das Wichtigste für die Hagenkötters. ?Das Geschäft ist härter geworden in den letzten Jahren, nicht nur bei uns mit den SB-Bäckereien sondern auch Schuhgeschäfte und sogar Apotheken müssen sich der billig Konkurrenz erwehren?, macht sich Karl Wilhelm Hagenkötter keine Illusionen, dass ein Preiswettkampf keinen Sinn macht. ?Wir setzen auf die Qualität unserer Waren, das fängt beim Mehl an und setzt sich im gesamten Produktionsprozess fort.? Wichtigstes Rohmaterial des Bäckers ist natürlich das Mehl und hier macht Hagenkötter keine Kompromisse: ?Wir arbeiten mit der Steinmetz-Patent Müllerei zusammen, die anerkanntermaßen eines der besten Mehle überhaupt produziert? (für mehr Informationen zu Steinmetz-Mehlen folgen sie dem Link: www.steinmetz-mehl.de). Nicht weniger als 300 Tonnen verbacken die 12 Bäcker im Jahr davon. Über dreißig Brotsorten sowie eine Unzahl an verschiedenen Brötchen werden täglich frisch hergestellt. Zusätzlich fertigt Konditormeister Heinz Bruns über 300 Stück Kuchen, Torten und feine Backwaren am Tag. Alles nach dem slow-baking Prinzip (www.slowbaking.de). Die Grundidee dahinter ist, den Teigen die nötige Reifezeit zu geben, die für eine optimale Geschmacksentwicklung erforderlich ist. Neben den Filialen beliefert die Bäckerei auch noch zahlreiche Firmen und Schulen in der Umgebung mit ihren Produkten.
Zurück in der Backstube herrscht noch rege Betriebsamkeit. Überall duftet es wunderbar nach frisch Gebackenem. Andauernd eilen die Angestellten mit Wagen voller Teiglinge oder bereits vollendeter Backwaren hin und her. Gesprochen wird wenig. ?Wir sind keine Morgenmuffel oder maulfaul, aber hier weiß jeder was er wann zu tun hat und deshalb erübrigt sich das Reden zu meist.? Kein Wunder denn schließlich arbeiten alle hier schon seit mindestens einem Jahrzehnt. Die Arbeitsabläufe sind also bestens aufeinander eingespielt. Der Chef hat heute den mit Sicherheit heißesten Arbeitsplatz, direkt am Ofen sorgt er dafür, dass auch die ersten Kunden bereits mit frischen Brötchen versorgt werden können. Robins Aufgabe an diesem Tag ist es dagegen die Bestellungen abzuarbeiten und die Kisten zur Lieferung fertig zu machen. Hin und wieder klingelt dass Telefon und aktuelle Bestellungen gehen ein. ?Kein Problem wir sind flexibel?, lässt sich der Junior nicht aus der Ruhe bringen. ?Heute ist Mittwoch ? sowieso ein etwas ruhigerer Tag.? Kaum zu glauben bei der emsigen Betriebsamkeit die um uns herum herrscht. ?Ab acht Uhr wird es dann ein bisschen übersichtlicher.? Dann folgt allerdings noch die Büroarbeit und die Vorbereitungen für den nächsten Tag müssen getroffen werden. Und dann? ?Dann legen sich die meisten erstmal etwas hin ? Bäcker ohne Mittagsschlaf werden schnell grummelig.?
